Courage ist das Schwerste und gleichzeitig auch das Wichtigste“ – Dr. Wulf Schmiese zu Gast beim GymBo

Geschrieben in GymBo aktuell am
Einen hochinteressanten und zugleich nachdenklich stimmenden Einblick in die Welt von Politik, Medien und gesellschaftlichem Zusammenhalt erhielten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 – Q1 bei zwei Podiumsdiskussionen mit dem Journalisten Dr. Wulf Schmiese, der zukünftige Pate für das GymBo als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Der stellvertretende Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios sprach offen über aktuelle politische Entwicklungen, die Rolle der Medien und die Herausforderungen für die Demokratie.

Zunächst wurden die Ursachen gesellschaftlicher Polarisierung diskutiert. Schmiese beschrieb die politische Landschaft mithilfe des sogenannten Hufeisenmodells: Die politischen Ränder würden breiter, während die gesellschaftliche Mitte schrumpfe. Dadurch entstehe eine zunehmende Polarisierung zwischen linken und rechten Positionen. Gleichzeitig warnte er davor, Menschen auszugrenzen. Stattdessen müsse es darum gehen, Debatten zu führen, unterschiedliche Meinungen anzuhören und Menschen wieder stärker in die demokratische Mitte einzubinden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Rolle der Medien in einer Demokratie. Schmiese betonte, dass das Wort „Medium“ von „Mitte“ komme. Journalismus habe die Aufgabe, Politik verständlich zu machen und zwischen Politik und Gesellschaft zu vermitteln. Dabei gehe es nicht darum, Politikerinnen und Politiker unkritisch darzustellen, sondern zunächst davon auszugehen, dass sie das Beste für das Land wollen – auch wenn politische Entscheidungen nicht immer erfolgreich seien.

Besonders anschaulich erklärte Schmiese den Unterschied zwischen Journalismus und sozialen Medien. Journalisten ordnen Informationen ein, prüfen Fakten und machen komplexe Themen verständlich. Influencer hingegen wollten in erster Linie beeinflussen und seien deshalb nicht mit klassischem Journalismus gleichzusetzen.

Mit Blick auf die Situation in den USA machte Schmiese deutlich, wie wichtig unabhängige Medien für demokratische Gesellschaften sind. Öffentlich-rechtliche Medien seien frei von politischer Einflussnahme, Werbung und Einschaltquotendruck. Fehler könnten zwar passieren, „Fakes“ seien jedoch etwas anderes. Gerade in Zeiten von Krisen, etwa während der Corona-Pandemie, zeige sich, wie wichtig verlässliche Informationen seien. Plattformen ohne journalistische Filter könnten dagegen Desinformation begünstigen.

Auch persönliche Erfahrungen teilte der Journalist mit seinem Publikum. Zu seinen spannendsten Begegnungen zählte ein Interview mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Außerdem berichtete er von mehreren Reisen in die USA, bei denen er unter anderem politische Entwicklungen rund um Donald Trump aus nächster Nähe beobachten konnte.

Zum Abschluss wurde über Themen wie Rassismus, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Künstliche Intelligenz gesprochen. Schmiese sprach sich gegen jede Form moralischer Überheblichkeit aus und plädierte dafür, sachlich und faktenbasiert zu argumentieren. Antirassistische Bildung sei selbstverständlich wichtig, müsse jedoch immer mit verständlichen Erklärungen verbunden werden.

Beim Thema KI betonte er, dass technische Hilfsmittel zwar zunehmend an Bedeutung gewinnen würden, am Ende aber menschliches Wissen und eigenständiges Denken unverzichtbar blieben.

Besonders eindrucksvoll blieb ein Satz in Erinnerung, den Dr. Wulf Schmiese den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg gab: „Courage ist das Schwerste und auch das Wichtigste.“

Am Schluss bedankte sich Schulleiter Dr. André Wenning herzlich bei Hanna Fraune für die Initiative, die Herstellung des Kontakts und die Organisation rund um Besuch. Ein Tag, der in Erinnerung bleiben wird.

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