Aus der Geschichte lernen- Demokratie schützen

Geschrieben in GymBo aktuell am
Am 8. Oktober 2026 besuchte der Geschichts-Leistungskurs der Q2 die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg.

Gemeinsam mit der Historikerin und Gedenkstättenpädagogin Sonja Bauer setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Geschichte der Wewelsburg während der nationalsozialistischen Herrschaft auseinander.

Die Ausstellung zeigte eindrücklich, wie die menschenverachtende Ideologie der SS zu Ausgrenzung, Verfolgung, Zwangsarbeit und systematischem Terror führte. Besonders deutlich wurde dies am Schicksal der Häftlinge des nahe gelegenen Konzentrationslagers Niederhagen. Unter unmenschlichen Bedingungen wurden sie unter anderem für den geplanten Ausbau der Wewelsburg zu einem ideologischen Zentrum eingesetzt.

Besonders bewegend waren Frau Bauers Berichte aus Gesprächen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sie im Rahmen ihrer Forschung geführt hat – mit Überlebenden, aber auch mit Menschen aus der Umgebung, die in unmittelbarer Nähe zu Tätern und Opfern lebten. Ihre Geschichten machten die Handlungsspielräume ganz gewöhnlicher Menschen sichtbar.

So berichtete Frau Bauer von einer ortsansässigen Bauernfamilie, die ihren Hof für die Erweiterung der Wewelsburger Anlagen zur Verfügung stellte und dafür ein zwangsweise enteignetes Gut in Schlesien erhielt. Bei der Ankunft der Familie war das gesamte Hab und Gut der bisherigen Besitzerinnen und Besitzer noch vorhanden, selbst Blumen standen auf dem Tisch. Ein bedrückendes Zeichen dafür, wie plötzlich ihnen ihr Zuhause genommen worden war. Ihr weiteres Schicksal bleibt jedoch, wie das vieler anderer,  im Dunkeln.

Frau Bauer erzählte aber auch von einer Frau aus dem Dorf, die den an ihrem Haus vorbeiziehenden Häftlingen Lebensmittel gab. Zur Strafe wurde sie einen ganzen Tag lang auf dem Appellplatz öffentlich zur Schau gestellt.

Ihre Geschichten machten deutlich, welche Handlungsspielräume ganz gewöhnliche Menschen hatten – Menschen wie wir. Sie konnten schweigen, wegsehen, vom Unrecht profitieren oder aber helfen. Zugleich warfen ihr Geschichten die Frage auf, wie wir selbst heute handeln, wenn Menschen ausgegrenzt, herabgewürdigt oder bedroht werden.

Erinnerungskultur bedeutet deshalb mehr als den Blick zurück. Angesichts  des Rechtsruck in Politik und Gesellschaft fordert uns die Geschichte dazu auf, menschenfeindliche Ideologien frühzeitig zu erkennen und ihnen entschieden entgegenzutreten. Demokratie und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeit – sie brauchen Menschen, die Haltung zeigen und sie aktiv verteidigen.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das muss unsere Lehre aus der Geschichte, unsere Haltung in der Gegenwart und unsere Leitlinie für die Zukunft sein.

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