Rund 350 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9, 10 und EF aus dem Gymnasium Borghorst, dem Gymnasium Arnoldinum sowie der Realschule am Buchenberg füllten die Mensa und tauchten gemeinsam in Eva Weyls Lebensgeschichte ein.
Eva Weyl wurde am 7. Juni 1935 in Arnheim geboren, als Tochter deutscher Juden aus Kleve und Freiburg, deren Familien – wie Großvater Willy Wolff, ein Bankdirektor – vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten flohen. Mit sechs Jahren internierte man sie 1942 mit ihren Eltern im niederländischen Lager Westerbork. In dem Durchgangslager herrschte ein trügerisch normaler Rhythmus, der den Häftlingen eine Illusion von Alltag vorgaukelte. Doch jeden Dienstag dominierte die Angst vor den Todeslisten: Wer darauf stand, musste in Viehwaggons nach Auschwitz, Theresienstadt oder Sobibor. Viermal stand Eva Weyl auf den Deportationslisten– nur die „vorläufige Zurückstellung“ rettete sie jedes Mal.
1945 befreiten kanadische Soldaten die knapp 5% Überlebenden. Nach dem Krieg studierte Eva Weyl in Amerika und der Schweiz, arbeitete in der Modebranche, heiratete, bekam zwei Kinder und fünf Enkel.
Schulleiter Dr. André Wenning dankte Frau Eva Weyl, dass sie Geschichte auf eindrucksvolle Weise lebendig werden lässt und begrüßte gleichzeitig die Schülerinnen und Schüler der Realschule am Buchenberg sowie des Gymnasiums Arnoldinum. Er betonte, wie bedeutsam die gemeinsame Auseinandersetzung mit der NS‑Vergangenheit sei. Die breite Beteiligung der Schulen ist ein klares Zeichen dafür, dass dieses Thema den Menschen in Steinfurt nach wie vor sehr am Herzen liegt.
Geschichtslehrerin Frau Gesine Weinhage, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Max Westrup die Veranstaltung organisiert und vorbereitet hatte, brachte es zum Schuss auf den Punkt: „Herzlichen Dank, liebe Frau Weyl, für Ihren mutigen Vortrag, der uns zu „Zweitzeugen“ macht – Wir tragen Ihre Botschaft, dass wenn man die Vergangenheit kennt, kann man eine bessere Zukunft schaffen, weiter und stehen entschlossen gegen Diskriminierung ein.“
