Im Selbstlernzentrum (SLZ) können insbesondere unsere Oberstufenschüler eigenverantwortlich und selbstständig in ihren Freistunden arbeiten.

Idee

Die Errichtung eines Raumes, in dem unsere Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich und selbstständig in ihren Freistunden arbeiten können, war das Projekt, das von unserem Kollegium in ganz besonderem Maße mit der Zustimmung zum Modellprojekt „Selbstständige Schule“ verknüpft wurde. Was wäre eine „selbstständige Schule“ schließlich ohne selbstständige Schüler?

Entsprechend ist in der Kooperationsvereinbarung zur „Selbstständigen Schule“ der „Aufbau einer Schul-Bibliothek als Arbeits- und Selbstlernzentrum“ festgeschrieben. Dabei war von vornherein daran gedacht, einen zentral gelegenen Arbeitsraum so auszustatten, dass dort die Funktionen einer traditionellen Schülerbibliothek mit den Möglichkeiten der neuen Medien kombiniert werden können.

Planung

Mit dem Ziel, das Selbstlernzentrum (der Begriff hatte sich inzwischen etabliert) zu realisieren, konstituierte sich im November 2003 eine Lehrerarbeitsgruppe. Nach der Besichtigung von schon bestehenden Arbeitsräumen an zwei Schulen in der Umgebung kristallisierten sich genauere Vorstellungen heraus, was für unser SLZ wichtig erschien. Diese wurden mit einem Architekten aus der Elternschaft besprochen. Das Resultat waren erste Pläne, die unsere Ideen sehr kreativ umgesetzt und bereichert hatten. Nach mehreren Diskussionsrunden, an denen auch Schüler- und Elternvertreter beteiligt waren, und nach entsprechenden Planänderungen hatten wir dann sehr konkrete Vorstellungen. Diese stießen – z.B. am Tag der offenen Tür durch Planvorstellung und Modell verdeutlicht – in der Schulöffentlichkeit auf eine breite Zustimmung.

Selbstlernzentrum (SLZ) - Aufriß

Finanzierung

Die vorhandenen Pläne in dieser Form auch zu realisieren, erschien nicht zuletzt aufgrund der desolaten Finanzlage der Stadt Steinfurt als Schulträger zunächst illusorisch, da sie trotz wohlwollender Absichten keine besonderen Mittel zur Verfügung stellen konnte. Im Rahmen einer notwendigen PCB-Sanierung ließen sich dann jedoch die baulichen Voraussetzungen für das SLZ schaffen, für die die Stadt die Kosten übernahm. Darüber hinaus konnte mit Kapitalisierungserträgen aus dem Projekt „Selbstständige Schule“ gearbeitet werden. Eine ganz besondere Art der Finanzierung bildete der Erlös von zwei „Bunten Abenden“, an denen Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule vor zahlendem Publikum auftraten und durch ihr Engagement nicht nur ungeahnte Fähigkeiten und Talente zeigten, sondern auch auf sehr unkonventionelle Weise zur Realisierung der Pläne beitrugen. Einzelne Geld- bzw. Sachspenden von ortsansässigen Einrichtungen oder Abiturjahrgängen ermöglichten dann im Laufe der Zeit weitere Anschaffungen.

Den Grundstock für die Schülerbibliothek bildeten Bücher aus der Lehrerbibliothek bzw. den Fachschaftsbeständen

Errichtung

Selbstlernzentrum - EinrichtungIn Zusammenarbeit mit den Vertretern des Schulträgers, die unsere Pläne sehr wohlwollend unterstützten, erfolgten schließlich die baulichen Maßnahmen. Viel Wert wurde seitens der Arbeitsgruppe dann darauf gelegt, den Raum hell und freundlich zu gestalten und ihm sowohl von der Farbgebung als auch von der Möblierung her einen individuellen Charakter zu geben. Das ehemalige Sprachlabor unserer Schule, das in dieser Funktion schon seit Jahren nicht mehr genutzt worden war, wurde für die Errichtung des Selbstlernzentrums mit einem angrenzenden Klassenraum verbunden. Dadurch ergab sich ein relativ großer Raum, der an die Eingangshalle angrenzt und zentral gelegen ist. Die drei Außentüren, von denen die mittlere als Eingangstür des Raumes dient, wurden mit Glas versehen, so dass der Raum von außen eingesehen werden kann, was einerseits einladend wirkt, anderseits aber auch eine gewisse Kontrolle des Geschehens ermöglicht. Das Zentrum selbst wurde zweigeteilt; die beiden Raumteile unterscheiden sich in der Höhe sowie im Bodenbelag. Der größere der beiden Teile ist für die Arbeit an Tischen gedacht und wurde mit einem blauen Linoleumbelag ausgestattet. Maximal 40 Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit zu arbeiten.

In den zweiten Teil, der durch ein Holzpodest erhöht wurde, gelangt man über drei Stufen. Ihm kommt die Funktion eines Rückzugsraumes zu, in dem man – sitzend, liegend, stehend – etwas lesen, evtl. auch schreiben, vor allem aber ausspannen kann. Deswegen wurde dieser Bereich – der nur mit Socken betreten werden darf – mit rotem Teppichboden ausgelegt. Die blaue Farbe des Bodens wiederholt sich im Teppichboden des Sitzpodestes, das sich im hinteren Teil des Refugiums befindet.

Ansonsten dominieren die Farben gelb (Wände und Deckenträger) und weiß (Decke, Möbel).

Für farbige Akzente sorgen rote Stühle. Die beiden Raumteile wurden mit Bücherregalen an der Wand möbliert, ein vorhandenes braunes Einbauregal an der Wand zur Halle wurde – nicht zuletzt aus Kostengründen – übernommen. Regale mit offener Rückwand unterteilen den Raum und sorgen so für eine intimere Atmosphäre.

Damit die Nutzer ungestört und konzentriert am Computer arbeiten können, wurden vier Einzelarbeitsplätze eingerichtet, die durch Trennwände eingefasst sind. Sie wurden als Block direkt dem abgerundeten Aufsichtstresen gegenüber angebracht. Neue Lampen, die sich dimmen lassen und ein angenehmeres Licht geben, zwei Materialschränke, ein Medienschrank für Laptops, ein geleaster Kopierer sowie ein Drucker komplettierten die Ausstattung des Raumes. Da das SLZ nicht mit Taschen oder Jacken betreten werden sollte, wurden Münz-Schließfächer und ein Garderobenständer im Flur platziert.

Nutzungsmöglichkeiten

Das Angebot des Selbstlernzentrums richtet sich an die Schülerinnen und Schüler, die nach Absprache mit dem jeweiligen Fachlehrer den Raum für gezielte Aufgaben aufsuchen können. Nicht möglich ist hier die Arbeit in größeren Gruppen, da der Raum für konzentrierte Einzelarbeit bzw. leise Partnerarbeit vorgesehen ist. Hier können die Nutzer:

  • neue Sachverhalte selbstständig erarbeiten
  • Recherchen für den Unterricht (z.B. für Hausaufgaben, Referate, Projekte, Facharbeiten) oder auch für Wettbewerbe durchführen
  • versäumten Stoff nachholen und individuelle Lücken schließen
  • bekannte, im Unterricht erarbeitete Themen vertiefend abhandeln
  • Unterrichtsreihen oder Teile davon mit Hilfe von Selbstlernmaterial eigenständig erarbeiten
  • gestellte (Haus-)Aufgaben lösen
  • individuelle Interessen und Stärken fördern
  • sich über Berufsmöglichkeiten und Studiengänge informieren
  • in entspannter Atmosphäre lesen.

Selbstlernzentrum - NutzungsmöglichkeitenDazu finden sich im SLZ Bücher, Zeitschriften und Zeitungen verschiedener Fachrichtungen, aber auch Arbeits- und Selbstlernmaterialien, Musteraufgaben mit Lösungen, Materialsammlungen bzw. Handapparate von Lehrerinnen und Lehrern oder den Fachschaften sowie Facharbeiten von Schülerinnen und Schülern der Schule. Darüber hinaus gibt es hier natürlich auch die Möglichkeit, mit den neuen Medien, wie Internet, DVD, CD, an den vier festen Computerarbeitsplätzen oder am Laptop, den man am Aufsichtstresen ausleihen kann, zu arbeiten.

Die Arbeitsmaterialien werden allerdings nur im Raum selbst bearbeitet und können nicht ausgeliehen werden. Die Präsenzbibliothek orientiert sich in ihrem Aufbau an dem einer öffentlichen Bücherei. Auch bei der Inventarisierung und der Erstellung eines online-Kataloges wird mit einer gängigen und in der Stadtbücherei ebenfalls verwendeteten Bibliothekssoftware gearbeitet, was eine eventuelle spätere Vernetzung eher möglich machen dürfte.

Organisation und Nutzung

Um im Selbstlernzentrum arbeiten zu dürfen, müssen die Schülerinnen und Schüler zunächst einen Nutzervertrag unterschreiben, der in Absprache mit den SV-Vertretern festgelegt wurde, in dem feste Regeln aufgestellt sind. Sie erhalten dann einen Nutzerausweis, welcher bei gravierenden Verstößen gegen die Verhaltensregeln auch eingezogen werden kann.

Geöffnet ist das Selbstlernzentrum zur Zeit in der Regel vormittags, an einem Tag auch bis in den Nachmittag, allerdings in Abhängigkeit davon, ob eine Aufsicht zur Verfügung steht. Diese Aufgabe sollen möglichst die Schülerinnen und Schüler selbst auf freiwilliger Basis und für eine feste Zeit übernehmen; die Koordination der Aufsicht übernimmt die für das SLZ zuständige Lehrkraft. Zum Teil führen auch Referendarinnen bzw. Kolleginnen Aufsicht, die sich in ihren Freistunden zur Verfügung stellen. Auch Mütter haben bereits mitgeholfen. Der Raum wird von den Aufsichtführenden jeweils auf- bzw. verschlossen – der Schlüssel ist im Sekretariat deponiert. Kolleginnen und Kollegen, die außerhalb der Öffnungszeiten den Raum nutzen wollen, holen sich dort den Schlüssel ab.

Aus der Praxis

In den zwei Jahren seit der feierlichen Eröffnung im September 2005 hat sich das Selbstlernzentrum zu einem von den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe gern besuchten Ort unserer Schule entwickelt. Es ist selbstverständlich geworden, in den Freistunden oder bei Abwesenheit von Kolleginnen bzw. Kollegen den Raum und seine Angebote für die Erledigung von Aufgaben zu nutzen, so dass sicher von einer veränderten Lernkultur an unserer Schule gesprochen werden kann.

Andererseits stellt uns das Selbstlernzentrum auch vor neue Herausforderungen. So ist der Raum in manchen Stunden so stark frequentiert, dass er schon fast zu klein ist. Auch ist es für manche Nutzer schwer, sich leise zu verhalten. Das Vorhaben, Schüler Aufsicht führen und so Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen zu lassen, stößt auch an Grenzen, da sich nicht immer genügend Freiwillige finden bzw. es schwierig ist, die Einhaltung der Nutzungsregeln Gleichaltrigen gegenüber durchzusetzen. Insofern ist eine Unterstützung der Aufsicht durch Lehrerinnen und Lehrer bzw. Eltern notwendig.

Bei der Nutzung wird bisher stark und oft wenig differenzierend seitens der Schülerinnen und Schüler das Internet favorisiert. Hier gilt es nicht zuletzt im Hinblick auf das Studium einerseits, die Printmedien verstärkt in ihr Bewusstsein zu rücken, ihnen aber andererseits solide Internetadressen für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen. Insofern bedeutet die selbstverständliche Nutzung des Raumes nicht nur neue Chancen für die Lernenden, sondern stellt auch den Unterrichtenden neue Aufgaben.

Ansprechpartnerin

Frau Upmann