Im Folgenden soll anhand eines Planungsbeispiels aufgezeigt werden, wie ein Filmprojekt in einem Literaturkurs angelegt werden kann. Die Stundenangaben sind lediglich Erfahrungs-Richtwerte, die jedoch auf den Einzelfall - je nach Schwerpunktsetzungen und Gruppenarbeitsstand - erweitert oder verkürzt werden können. Methodische Tipps für die Input-Phase In der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen, die ersten Unterrichtsphasen, die überwiegend auf die Vermittlung von Kenntnissen ausgerichtet sind, mit der Gesamtgruppe durchzuführen. Die Kursleiterin bzw. der Kursleiter sollte aber bereits hier Lernmethoden anstreben, die das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen der Kursteilnehmer in den Vordergrund stellen. Aus diesem Grunde werden Materialien angeboten, die überwiegend von der Lerngruppe selbst in Eigenregie er- und bearbeitet werden können. Eine mögliche Lernvariante könnte auch darin bestehen, dass sich kleinere Arbeitsgruppen bilden, die sich mithilfe der vorgegebenen (und zusätzlich herangezogener) Materialien so präparieren, dass sie thematisch eingegrenzte Unterrichtssequenzen im Plenum vermitteln können. Diese Lernmethode entspricht am ehesten der Intention von Literaturkursen, eigenverantwortliches Lernen zu initiieren, und die Rolle der Kursleiterin / des Kursleiters von vornherein auf begleitende Funktionen zu beschränken und dies auch im Bewusstsein der Kursteilnehmer zu verankern. Bewährte Tipps für die Kreativ-Phase Für die folgenden Unterrichtsphasen, in denen die Kursteilnehmer ein eigenes Filmprojekt planen und realisieren, sollte auf jeden Fall die Gruppenarbeit favorisiert werden. Erfahrungsgemäß sind mehrere voneinander unabhängige Gruppenprojekte einem Großprojekt vorzuziehen. Es hat sich als besonders produktiv herausgestellt, wenn Gruppen zwischen 6 und 8 Schülern jeweils an einem eigenen Filmprojekt arbeiten. Diese Arbeit in Kleingruppen hat vor allem den Vorteil, dass sich - je nach Interessenslage der Kursteilnehmer - unterschiedliche Ideen und Filmgenres realisieren lassen, die gleichzeitig eine höhere Motivation schaffen und die Aufgabenverteilung verantwortlicher und übersichtlicher machen (jeder weiß, was er zu tun hat). Auch die Terminplanung lässt sich so besser in den Griff bekommen. Für Spielszenen, in denen man auf eine größere Anzahl von Schauspielern und Statisten angewiesen ist, kann man im Austausch mit anderen Gruppen Möglichkeiten und Wege finden. Was haben Papstwahlen und Filmideen gemeinsam? Der Prozess der Themenfindung für Filmprojekte kann manchmal sehr zeitintensiv sein, da die unterschiedlichsten Ideen und Interessen zusammenkommen. Hier hat es sich bewährt, nach dem Vorbild der Papstwahlen vorzugehen und eine Konklave-Sitzung anzuberaumen, die erst beendet wird, wenn "weißer Rauch" signalisiert, dass man sich geeinigt hat. Andererseits sollte man sich nicht zu sehr auf Kompromiss-Einigungen einlassen; tragfähiger ist auf Dauer eher die geniale Idee, die im Prozess eines produktiven Brainstormings geboren wird! Um auf eine zündende und vor allem auch realisierbare (!) Filmidee zu kommen, kann sich die Projektgruppe auch einfach die Frage stellen: "Was würde passieren, wenn einer von uns ...." Das Filmteam des Gymnasiums Borghorst, das vor vielen Jahren mit seinem Film "AIDS" einen Bundesfilmpreis gewonnen hat, hat sich z.B. die Frage gestellt: "Was würde passieren, wenn einer aus unserer Gruppe Aids bekäme?" Nach diesem Muster sind schon sehr viele tolle Filmideen entstanden, die deshalb erfolgreich waren, weil das, was gezeigt wurde, authentisch war. Und das kann nur ein Film sein, der nicht etwas von der Realität Abgehobenes zeigt, sondern Alltägliches thematisiert und den Einzelnen möglichst mit Grenzsituationen konfrontiert (Ähnlichkeit mit Kurzgeschichten). Nichts geht gnadenloser in die Hose, als eine Filmidee, die lediglich die Kopie einer bestimmten Filmvorlage ist! Andererseits lassen sich aus den guten Filmen jede Menge Anregungen holen für filmische Umsetzungen, Kameraführung, Schnittfolge usw. Wenn wir in unseren Film-Beispielen dennoch auf Schülerfilme zurückgreifen, dann hat das nicht nur etwas mit Urheberrechtsproblemen zu tun, sondern damit, dass man am besten etwas lernt, wenn das Vorbild gerade nicht ganz perfekt ist, sondern dazu auffordert, es besser zu machen. Wir wünschen dem gesamten Literaturkurs-Team viel Freude an ihrem Filmprojekt! |