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Elemente der Filmsprache
(nach: Gast, W., Film und Literatur - Grundbuch - Einführung in die Begriffe und Methoden der Filmanalyse (Frankfurt 1993))

A) Einstellungsgrößen

Wie auch bei anderen filmsprachlichen Kategorien ist Einstellungsgröße ursprünglich eine produktionstechnische Kategorie.
Sie bestimmt, wie groß ein Mensch (und sinngemäß übertragen auch Gegenstände und Figuren) auf der Leinwand oder dem Bildschirm zu sehen sind.
Sie ist eine zentrale Kategorie für die Lenkung der Wahrnehmung des Zuschauers.
Die gezeigten Ausschnitte der Realität erscheinen bei unterschiedlichen Einstellungsgrößen unterschiedlich weit entfernt. Das ist jedoch eine Täuschung.
Diese Übertragung von Alltagserfahrung auf die Wahrnehmung von Filmbildern ist zugleich eine Komponente jener Realismusillusion, die der Film leichter als andere Medien beim Rezipienten erzeugen kann.

Dazu im Einzelnen:

1. Weit

Häufig als Beginn oder Abschluss einer Handlungssequenz soll die Weiteinstellung Atmosphäre vermitteln, symbolische Bilder entwerfen, eine Handlung gefühlvoll / monumental eröffnen oder beschließen. (Beispiel: Die Eröffnungseinstellung von Westernfilmen, z.B. ein weites Tal zeigend.)

2. Total (T)

Die Totale hat schon die Möglichkeit, Einzelnes erkennen zu lassen - eingebettet in eine Landschaft etwa. So besitzt sie häufig eine dramaturgische Funktion: Gezeigt wird die Handlung im Gesamtüberblick; der Zuschauer gewinnt Übersicht über das Geschehen, auch räumlich Orientierung. Die Totale ist also - im Gegensatz zur Weiteinstellung - stärker handlungsbezogen.

3. Halbtotal (HT)

Man sieht jetzt Menschen von Kopf bis Fuß, kann ihre Handlungen insgesamt verfolgen; die Körpersprache ist gut zu sehen. Die Umgebung der Handelnden tritt stärker in den Vordergrund.

4. Halbnah (HN)

In der Halbnaheinstellung sieht man Menschen etwa von den Knien an; die Beziehung von Figuren zueinander sind ebenso gut beobachtbar wie die kommunikative Situation.

6. Nah (N)

Diese Einstellung entspricht etwa einem Brustbild einer Person.
Im Film wird sie häufig dann gewählt, wenn die Aufmerksamkeit auf die Mimik der Personen, oft auch auf die Gestik gelenkt werden soll.

 

7. Groß (G)

Diese Einstellung zeigt den Kopf eines Menschen bis zum Hals bzw. Schulteransatz - die Wahrnehmung des Zuschauers wird ganz auf die Mimik konzentriert. Insbesondere für die filmische Darstellung von Gefühlen und Empfindungen ist sie von grosser Bedeutung für die Rezeption.
 

 
 
8. Detail (D)

In dieser Einstellung ist ein extrem kleiner Ausschnitt einer Person oder eines Gegenstandes zu sehen - diese erscheint riesig vergrößert, extreme Nähe des Betrachters wird suggeriert.
Eingesetzt wird die Detaileinstellung oft zur emotionalen Intensivierung oder Spannungssteigerung.

B) Perspektiven

Ein elementares Mittel des Films für die Gestaltung und damit auch für die Wahrnehmungslenkung ist die Perspektive. Sie ist zwar kein genuin filmsprachliches Element, aber in keinem anderen Medium ist seine Bedeutung so groß wie im Film.

Die unterschiedlichen Perspektiven haben drei - miteinander zusammenhängende - Funktionen:

1. Sie geben den Blick des Produzenten (Regisseurs, Kameramanns/frau)
auf das Dargestellte wieder.

2. Sie geben dem Dargestellten eine jeweils unterschiedliche Qualität.

3. Sie drängen den Zuschauer - meistens unmerklich, nur bei extremen Perspektiven für ihn sichtbar - in eine Wahrnehmungsrolle. Er sieht mit der Kamera auf die perspektivisch gestaltete Person bzw. das Geschehen und hat - wegen des Filmtempos - auch kaum Zeit, eine Alternative zur angebotenen Perspektive selbst zu entwickeln.
Perspektiven haben - wie alle filmsprachlichen Elemente - keine feste Semantik, keine ein für allemal festgelegte Bedeutungszuweisung. Immer nur die Analyse der Gesamtheit der Komponenten (filmsprachlich, stilistisch, inhaltlich, dramaturgisch) eines Bildes, eines gezeigten Geschehens kann die angemessene Einschätzung der Bedeutung ermöglichen.

Man unterscheidet drei Grundtypen, wobei die Extrem-Perspektiven in reiner Form nur selten und bevorzugt in bestimmten Genres vorkommen, z.B. Psychothriller oder Satire. In der Regel haben wie es mit Mischformen zu tun.

Grundform I: Normalsicht

Die Kamerahöhe, aus der das Geschehen aufgenommen wird, entspricht etwa der Augenhöhe eines erwachsenen Menschen (ca.1 ,70m): Das entspricht am ehesten der Normalsicht der alltäglichen Wahrnehmung.
Funktion:
Die Normalsicht hat häufig die Aufgabe, den Eindruck von Realismus, von Authentizität, von Objektivität der filmischen Darstellung auf filmsprachlicher Ebene zu unterstützen.

Grundform II: Froschperspektive (Untersicht)

Diese Grundform kennzeichnet eine Kameraperspektive, die von unten auf ein Geschehen, eine Person, eine Figur nach oben blickt. das Abgebildete wird auf diese Weise verzerrt dargestellt, die Proportionen haben sich verschoben, das Bild von Realität kann sich verfremden.
Funktion:
a) Die gezeigte Person wird als übermächtig, unerreichbar hochstehend isoliert.
b) Eine Person wird lächerlich gemacht, verspottet, karikiert.
c) Eine Person wird bedrohlich, unheimlich wirken lassen.
Das gilt jedoch nicht nur für die Darstellung von Personen, sondern auch für die Zeichnung von Dingen.


Grundform III: Vogelperspektive (Aufsicht)

So wird der Kamerablick von oben aus einer erhöhten Position auf das Geschehen, eine Person, eine Figur nach unten bezeichnet. Das kann, wie schon bei der Froschperspektive, handlungsmäßig motiviert sein.
Es kann aber auch als Instrument der Aussage, der Kommentierung der Handlung verwendet werden.
Funktion:
a) Identifikation mit einem Helden
b) Sichtweise der jeweils dargestellten Person.

 

C) Kamerabewegungen

1. Kamerabewegung: Die Kamera hat einen festen Stand.

2. Kamerabewegung: Eine Kamera macht einen Schwenk aus einer festen Position heraus mit einer Drehung in der Horizontalen.
(Manchmal sog. "Reis-Schwenks")

3. Kamerabewegung: Die bedeutendste Kamerabewegung stellt die Fahrt dar.
(u.a. Ranfahrt / Parallelfahrt / Verfolgungsfahrt)

4. Zoom: Beim Sonderfall "Zoom" handelt es sich nicht um eine wirkliche Kamerabewegung, sondern um eine Veränderung der Brennweite.
Der gefilmte Gegenstand kommt näher oder rückt weiter weg, die Kamera selbst behält ihre feste Position.

5. Subjektive Kamera: Bei diesem Sonderfall der Kamerabewegung soll - meist mit einer beweglichen Handkamera - Unmittelbarkeit des Dabeiseins dem Rezipienten durch Kamerabewegung vermittelt werden.

D) Beleuchtung

Ein weiteres wichtiges Element bei der Bildkomposition. Sie ist wesentlich bei der Gestaltung von Atmosphäre und Spannung.

E) Mise en scène (Inszenierung)

Der Begriff im engeren Sinne ist ein filmkritischer Ausdruck für die bildkompositorische Inszenierung eines Films, für die räumliche Anordnung der Figuren und Dinge im Bild - im Gegensatz zur zeitlichen Anordnung der Bilder durch Montage. Im weiteren Sinne kann Mise en scène heißen: Schauspielerführung. Lichtgestaltung, Kameraführung u.a.m.
 

F) Wort - Bild -Ton Beziehungen

Wesensmerkmal der audiovisuellen Textsorte Film besteht in dem Zusammenspiel der drei unterschiedlichen Zeichensysteme Bild, Sprache und Ton, die in der Filmrezeption als Einheit erlebt werden und zum Teil in komplizierten Beziehungen zueinander stehen.

1. Sprache und Ton

On-Ton: Die Tonquelle ist im Bild gleichzeitig sichtbar.

Off-Ton: Die Tonquelle ist nicht sichtbar.

2. Einheit von Wort und Bild oder Wort-Bild-Schere

Der Ton-Bild-Teppich, so wurde oben schon gesagt, wird in der Regel vom Zuschauer als Einheit erlebt und als integrierte Aussage verstanden.

Bisweilen jedoch klaffen Bild und Ton oder Wort auseinander und es entsteht eine sogenannte Wort-Bild-Schere. (Beispiel: Tagesschau)

3. Musik

Neben der Sprache ist die Musik das wichtigste Element des Zeichensystems "Ton".

Musik illustriert bzw. kommentiert den Handlungsablauf des Films und die Gefühle seiner Hauptfiguren, dies schließt mögliche Kontrapunktierung und Leitmotivik ein.
Musik etabliert Raum und Zeit des Films.
Musik emotionalisiert die Rezipienten des Films.
Musik strukturiert den Film, verdeutlicht Zäsuren bzw. Kontinuität in der Handlung.
Musik dient - insbesondere als Titellied - der Filmwerbung und Kanonisierung.

Man spricht des öfteren vom sog. "Hollywood-Ton-Stil". Dabei haben sich musikalische Muster gebildet, die durch ständige Wiederholung zum Klischee erstarrt bzw. zum Stereotyp geworden sind. (z.B. in Liebes- und Abschiedsszenen / Verfolgungsjagden, etc.)

4. Geräusche

In der Filmtheorie wird den Geräuschen im Film eine große Bedeutung beigemessen.
In der Regel dienen Geräusche der Intensivierung der Realismusillusion des Films.
Sehr häufig werden sie im Studio synthetisch beigemischt. Wenn Originalton - der sogenannten O-Ton oder Direct-sound - direkt bei den Dreharbeiten aufgenommen wird, soll er meist besonders authentisch wirken. Im Spielfilm müssen im O-Ton aufgenommene Dialoge häufig im Studio nachsynchronisiert werden.
 

G) Bedeutung filmischer Aussagen (Denotation und Konnotation)

1. Denotation

Denotation heißt erst einmal ganz einfach formuliert: Die mit dem Zeichen (Wort, Bild) gemeinte Sachbezeichnung, die direkte, unmittelbare Bedeutung eines Wortes, Satzes oder Textes.

2. Konnotation

Sie geht über die unmittelbare Bedeutung filmischer Aussagen hinaus und bezeichnet das darüber hinaus Mitgemeinte, die zusätzliche, häufig symbolträchtige Bedeutung.
Die symbolische Aufladung eines Bildes mit konnotativer Bedeutung kann sich aus verschiedenen Quellen speisen: Es kann schon im Horizont kultureller Konvention konnotativ erweitert sein. So ist ein Fensterkreuz, nur Nah gezeigt, in vielen Filmen mehr als sein Denotat: Es verweist gleichzeitig auf christliche Symboltradition und kann dann zusätzlich "Leid", "Opfer" o. ä. bedeuten.
 

H) Montage

Dieser für den Film zentrale Begriff meint in allgemeinster Form die Verknüpfung von mindestens zwei Einstellungen eines Filmes durch Schnitt oder Blende, die Organisation der Bilder in der Zeit.

Einstellungen werden durch Schnitt oder Blende begrenzt, d.h. aber auch miteinander verbunden.

Eine Folge von Einstellungen, die in einem inhaltlichen, räumlichen oder zeitlichen Zusammenhang stehen, nennt man Sequenz.

Schnitt und Blende als teilende bzw. zusammenfügende Instrumente des Films sorgen nicht nur dafür, dass eine Handlung im Sinne einer bestimmten Intention weitergeführt wird, sondern legen auch den Rhythmus, die "Interpunktion" des Films fest. Dabei haben Schnitt und Blende unterschiedliche Interpunktionsqualitäten.

Der harte Schnitt - zwei Einstellungen unterschiedlichen Inhalts, unterschiedlicher Perspektive, Einstellungsgröße, Beleuchtung usw. werden direkt aneinander montiert.
Der weiche Schnitt - zwei Einstellungen ähnlichen Inhalts, etc. werden direkt aneinander montiert. Er lässt vergessen, dass überhaupt geschnitten wurde.
Der unsichtbare Schnitt verbindet zwei Einstellungen auf eine Weise, dass er selbst als Schnitt kaum bemerkt wird. Erreicht wird dieser Effekt des "weichen Schnitts" durch verschiedene Möglichkeiten. Voraussetzung für den unsichtbaren Schnitt ist weniger die bildinhaltliche Kontinuität als vielmehr die Kontinuität der Kameraführung: gleichbleibende Einstellungsgröße und Perspektive lassen die Handlung als organisch erscheinen, thematisieren keinen Wechsel...
 

Sieben Grundtypen der Montage

1. Narrative Montageformen

a) Szenische Montage
Der Film verknüpft die Einstellungen und Sequenzen so, als ob sie von einem Augenzeugen miterlebt würden. Die Einheit von Raum, Zeit und Handlung ist hier bestimmend.

b) Erzählende Montage
Der Film fügt verschiedene Einstellungen bzw. Sequenzen zusammen, die zwar zeitlich und gelegentlich auch räumlich auseinanderliegen, aber doch eine inhaltliche Einheit, einen zusammenhängenden Prozess bilden, etwa die Entwicklung einer Person, einer Handlung u.ä. darstellen.

2 Deskriptive Montageform

c) Beschreibende Montage
Die einzelnen Einstellungen sind deutlich dem Ziel untergeordnet, einen Ort, ein Haus o.ä., das für Handlung und Problemdarstellung wichtig ist, vorzustellen.

d) Metonymische Montage
Montagen, die einen Gedanken, einen gesellschaftlichen Begriff formulieren, ohne dass dieser explizit genannt wird. (Beispiel: Elendsviertel: stillstehende Fabrikräder / Schlangen vor den Einkaufsläden: Wirtschaftskrise / oder Schneewehen, Eiszapfen, verschneite Autobahnen: Winter.

e) Vergleichende Montage
Zwei filmische Einstellungen werden pointiert aneinandergeschnitten und so miteinander verbunden. Dabei kann es sich um Parallelisierung von Handlungssträngen handeln.

f) Symbolische Montage
Solche - häufig in narrative Teile - eingeschnittenen symbolischen Einstellungen werden oft erst durch den umgebenden Kontext in ihrer symbolischen Bedeutung festgelegt. (Beispiel: Uhr als Symbol vergehender Zeit)

g) Assoziative Montage
Hiermit sind Einstellungen gemeint, die durch die Intention zusammengehalten sind, mit Hilfe einiger vage herausgegriffener Bilder einer Situation deren Atmosphäre zu vermitteln, "Impressionen einer Stimmung" wiederzugeben.
 

Projektplanung