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9. Spannung

Spannung längs zur Zeit nennt GELFERT 'Longitudinalspannung', die quer zur Zeit 'Transversalspannung'.

Longitudinalspannung : Prinzip, das allen Detektiv- und Abenteuerromanen zugrundeliegt; sie beginnen mit einer Anfangssituation, die den Leser auf spätere Ereignisse gespannt macht; drei Grundformen:

  1. die des Detektivromans, der mit einem negativen Potential , mit einem Informationsdefizit, einsetzt,
  2. die des normalen Abenteuerromans,der mit einer unbestimmten Spannung beginnt, die sich beim Eintreten der Abenteuer schlagartig steigert, aber nach deren jeweiligem Bestehen auch wieder löst
  3. die des extremen Abenteuerromans vom Typus des Sensationsfilms, in dem äußerste Spannung vom Anfang an bis kurz vor Schluß herrscht; alle drei Formen haben Beigeschmack des Trivialen, werden aber auch in anspruchsvoller Literatur genutzt (1. s. o. FIELDING, 2. s. o. DICKENS, 3. Josef CONRAD, 1857-1924).

Transversalspannung: entsteht aus der Opposition zweier gleichzeitig bestehender Positionen von Figuren, die einander entgegenstehen; thematische, d. h. transversale Grundspannung in der Regel ergiebiger als handlungsorientierte Longitudinalspannung. Transversalspannung entsteht i. a. aus dem Gegensatz zweier widerstreitender Wertsysteme und drückt bei großen Dichtern zumeist Fundamentalprinzip ihrer Weltsicht aus. Deshalb ist es für die Interpretation  besonders wichtig, die Spannungspole zu erkennen und ihre thematische Bedeutung freizulegen.

Die gedankliche Tiefe z.B. der Werke Thomas MANNs (1875-1955) ist wesentlich in gegensätzlichen Charakteren begründet, die die Opposition zwischen Kunst und Leben bzw. Geist und Macht repräsentieren.