Im Roman „Am Freitag schlief der Rabbi lang“ gibt es eigentlich zwei Detektive. Einmal ist da der Stadtpolizist Hugh Lanigan und der in einem Mordfall Verdächtige Rabbi David Small.
Die Ermittlungen führt der Polizist Hugh Lanigan fast alle selber durch. Als der Rabbi dann selber in den Fall verwickelt wird, stellt er nach und nach auch seine eigenen Vermutungen und Nachforschungen an. Wäre er nicht ein so guter Freund des Polizisten, dann wäre er bestimmt verhaftet worden.
So aber geht er mit Hugh Lanigan eine nach der anderen Möglichkeit durch und schließt sie, genau wie Sherlock Holmes, nach und nach durch logisches Verknüpfen von Anhaltspunkten aus. Hierbei kommt er oft auf den Talmud zurück, ein Buch, in dem Lösungen für Streitigkeiten aus alten Zeiten nidergelegt sind ( z.B. Welche Strafe muss jemand zahlen, wenn er das Rind des Nachbarn getötet hat? ), um nachzulesen, welche Möglichkeiten ausgeschlossen werden können.
Das Ganze spielt sich mehrere Male ab, bis der Rabbi durch seine eigenen Nachforschungen seine eigene Theorie aufstellt, sie Hugh Lanigan vorstellt und der dann letztendlich die nötigen Beiweise für die Theorie des Rabbis liefert.
Er ist ein ruhiger, oft in Gedanken vertiefter Mann, der nicht wie die Polizei wild drauflossucht um einen Beweis zu finden, sondern eher jemand, der erst sehr gut überlegt, wo der gesuchte Beweis zu finden ist.
Er liest viele Bücher und kommt aus dem Lesen gar nicht wieder heraus, wenn er ein interessantes Buch liest, das auch nur die kleinste Idee zur Lösung des Falles liefern könnte. Sein Wissen über das Judentum ist sogar für einen Rabbi überdurchschnittlich groß und er weiß jede Lebenslage mit oder durch sein Wissen zu bewältigen.
Dass der Rabbi ein liebenswerter Mensch ist, zeigt sich immer wieder. Er überrumpelt weder irgendjemanden mit seinen Verdächtigungen noch lässt er jemanden zu Unrecht im Gefängnis sitzen. Als Melvin Bronstein, ebenfalls ein Verdächtiger, im Gefängnis sitzt, setzt sich der Rabbi für seine Freilassung ein und bringt sich damit selber wieder in den Kreis der Verdächtigen.
Sein Ermittlungsstil ist dem des Sherlock Holmes ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass er sich allen Personen gegenüber gleich freundlich verhält.
Er ist ein fairer, aber auch streng nach den Vorschriften handelnder Ermittler. Bei ihm bleibt trotz des ganzen Ermittlungsstresses die zwischenmenschliche Freundlichkeit nicht auf der Strecke. Das rechnen ihm viele Leute hoch an.
Seine einzige wirkliche Charakterschwäche ist, dass er immer versucht seine Theorie zu begründen und er dabei völlig aus den Augen verliert, dass er nicht nur die eine Spur, sondern auch andere, teilweise logischere, Lösungen verfolgen sollte.
Sein Ermittlungsstil hat große Ähnlichkeit mit dem von Matlock.
Christian Hömme & Christian Pohl