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Inspector Richard Jury

Die Autorin Martha Grimes

Martha Grimes wurde in Pittsburgh geboren. Ihre Kindheit hat sie größtenteils in Western Maryland verbracht, wo ihre Mutter ein Hotel betrieb. Sie hat an der Universität von Maryland studiert. Später lehrte sie dann selbst Creative Writing und Literatur an einem College in Takoma Park, Maryland.

Bevor sie anfing Romane zu schreiben, verfasste sie Gedichte, mit denen sie aber nicht all zu viel Erfolg hatte. Ihr erster Roman, der 1981 erschien, hatte den Originaltitel „The man with a load of mischief". Im Deutschen erschien er unter dem Namen „Inspektor Jury schläft außer Haus“. Den großen Durchbruch erlebte Martha Grimes 1987 mit „The Five Bells and Bladebone“.  In ihren Romanen gelingt es ihr das englische Lebensgefühl zu beschreiben.

Heute lebt Martha Grimes abwechselnd in Washington, D.C. und Santa Fe, New Mexiko. Sie engagiert sich sehr für den Tierschutz und spendete fast die gesamten Einnahmen einer ihrer Romane einem Tierschutzverbund.

Der Detektiv Richard Jury

Richard Jury ist in London geboren worden. Nachdem er seine Mutter in einem
Bombenangriff verloren hatte, wurde er von seinem Onkel aufgenommen. Doch als auch 
dieser starb, kam er in ein Heim wie die Bonaventuraschule, ein Internat
für Waisen, an die er jedoch unbehagliche Erinnerungen hat. Er hat keine Frau
und auch keine Verwandten, außer einer Cousine, die in Newcastle lebt, zu der er
aber kein gutes Verhältnis hat. In seiner Kindheit wollte er Großwildjäger werden, aber dann
ist er doch Polizist geworden und hat eine Stelle beim Scotland Yard angetreten.
Dort hat er sich hochgearbeitet und ist jetzt Superintendent.

Abgesehen von einigen Affären lebt er privat eher zurückgezogen, und außer einer Cousine in Newcastle hat er keine Verwandten. Der aus London kommende Inspektor löst seine Fälle meist auf unkonventionelle Art und Weise, womit er sich bei seinem Vorgesetzten nicht selten unbeliebt macht. Dennoch beweist er bei seinen Ermittlungen oft eine gute Menschenkenntnis und hat die verblüffende Eigenschaft Menschen beeinflussen zu können. Der gutaussehende und humorvolle Superintendent wird dem Leser mit jeder Seite sympathischer.

 

Trotz seiner charmanten Art und seines guten Aussehens wird Richard Jury in seinem Privatleben eher als Einzelgänger beschrieben. Er lebt eher zurückgezogen und hat nicht viele Freunde. Seine Eltern scheint er schon als Kind bei einem Bombenangriff verloren zu haben. Doch die Erinnerungen an seine Mutter sind, wenn auch selten, immer positiv. Nach dem Tod seiner Eltern ist er von einem Onkel aufgenommen worden. Doch das Glück schien ihm wohl nicht vergönnt, denn als auch dieser starb musste er in ein Heim, mit dem er nur schlechte Erinnerungen verbindet.

So ist bis heute von seiner Familie nur eine Cousine übrig geblieben, zu der er aber kein besonders gutes Verhältnis hat. Eine Frau, die immer wieder in den Romanen um seine Person auftritt, ist Lady Jenny Kennington. In einem seiner ersten Fälle war sie die Hauptverdächtige und seitdem ist sie in seinem Leben zu einer wichtigen Person geworden. Doch wie das Schicksal so will, verpassen sich die beiden immer knapp oder sehen sich nur ganz kurz. So kommt es nie dazu, dass sie sich ihre wahren Gefühle gestehen. Auch sonst scheint Jury im Bezug auf die Liebe vom Pech verfolgt zu sein, denn seine Verlobte wird ermordet und auch eine Frau in die er sich bei der ersten Begegnung  verliebt, wird wenig später ermordet aufgefunden.

Eine Person, die ihm anscheinend sehr viel bedeutet, ist Melrose Plant, ein Adeliger, der auf seine Titel und einen in England für Mitglieder der Oberschicht normalen Sitz im Oberhaus verzichtet. Er hilft Jury hinter die Fassaden der Oberschicht zu blicken und unterstützt ihn, wo er nur kann. Mit der Zeit scheinen sie gute Freunde geworden zu sein. Allerdings behalten sie immer einen gewissen Abstand zueinander, z.B., indem sie sich nicht duzen.

Der einzige Mensch, der sich um Richard Jury kümmert, ist eine alte Dame, seine Nachbarin, die an Verfolgungswahn leidet. Er versucht durch Sicherheitsmaßnahmen und einfach durch seine Anwesenheit Mrs. Wassermann zu helfen. Im Gegenzug ist sie immer für ihn da, wenn er nicht allein sein will, ohne sich dabei jemals in sein Privatleben einzumischen.

Alles in allem fehlt ihm eine Familie, was er sich aber nicht eingestehen will.

Inspektor Jury wird von Martha Grimes als humorvoller Mann beschrieben. Er scheint eine feste Meinung von Gerechtigkeit zu haben, die aber nicht immer dem Gesetz entspricht. Bei seinen Ermittlungen setzt er zum Teil seinen Charme ein um Zeugen zu einer Aussage zu bewegen. Dem Leser wird er sofort sympathisch, nicht nur weil er gut zuhören kann, mitfühlend und hilfsbereit ist, sondern auch durch seine unkomplizierte Art. Sowohl im privaten wie auch im beruflichen Leben schafft er es auf diplomatische Weise an sein Ziel zu kommen. Er zeigt sehr selten Gefühle, was wieder ein Zeichen für seine zurückgezogene Art ist. Alles in allem ist Jury kein perfekter Mensch ohne Fehler. Er ist ganz normal mit Ecken und Kanten und dennoch kommt er immer ans Ziel. Wahrscheinlich ist es das, was ihn dem Leser so sympathisch macht.

Jurys Ermittlungsmethoden sind nicht immer ganz korrekt. Er hat nichts gegen
eine kleine Lüge, wenn er dann an sein Ziel kommt und manchmal ist ihm das Glück
anderer wichtiger als das Gesetz. Das führt oft zu kleinen Auseinandersetzungen
mit seinem Chef. Er hat viel Charme und macht weiblichen Zeugen oft Komplimente,
um sie zum Reden zu bringen, was auch meistens klappt. Jury hat eine gute
Menschenkenntnis und kann sie gut einschätzen. Doch was noch wichtiger ist, ist,
dass er sehr gut kombinieren kann und viel Phantasie hat. Er hat sehr viel
Geduld und löst durch gutes Zuhören und mit Hilfe seines Freundes, Melrose
Plant, seine Fälle sehr schnell.


Inspektor Jury arbeitet eigentlich als Polizeidetektiv für den Staat. Somit
werden ihm seine Fälle vom Polizeiapparat zugeordnet. Prinzipiell ist er deshalb
an Recht und Gesetz gebunden, aber er gerät öfter in Konflikt, weil er seinem
eigenem Gerechtigkeitssinn folgt. In diesem Roman jedoch mischt er sich aus
eigenem Interesse in den Fall um den Mord von Helen Minton ein. Obwohl die
Gegend nicht zu seinem Arbeitsbereich gehört, kann er den zuständigen Inspektor
überzeugen ihm den Fall zu übergeben.

Es ist ziemlich schwierig Jury in eine bestimmte Detektivtypologie einzuordnen. Denn es ist klar, dass er kein "Armchair Detective" ist, weil dieser, wie der Name schon sagt, vom Sessel aus ermittelt. Im Gegensatz dazu bemüht Jury sich wirklich um die Auflösung des
Falles, indem er die Tatorte untersucht und die Bekannten der Opfer aufsucht.
Allerdings kann man ihn auch nicht als "Hardboiled Dick" bezeichnen, denn, 
für einen "Hardboiled Dick" typisch, Jury würde nie Gewalt anwenden. Das
einzige, was ihn damit verbindet, ist seine unkonventionelle Art zu ermitteln.
Der "Hardboiled Dick" ist er eher ein Einzelgänger, der seine Gefühle nicht
zeigt, was Jury auch selten tut. Deshalb ist Jury nicht der übliche Polizist,
den man in ein Schema einordnen kann.

Isabelle Kes & Friederike Gutberlet

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