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Drei Lexika - drei unterschiedliche Erklärungen


Aufklärung, im weitern Sinn jede Belehrung, seit dem Anfang des 18. Jahrh. Bezeichnung einer rationalistisch-ungläubigen Richtung, die den positiven christlichen Glauben als Unwissenheit u. Finsternis behandelt, die Vernunft 'mündig' u. von den Fesseln der übernatürlichen Offenbarung frei machen will. Von den engl. Deisten ausgegangen, von den franz. Enzyklopädisten eifrig gefördert, drang die A. auch in Deutschland ein, zuerst in den protestantischen Teilen (...) Vom Norden her drang die A. bald auch in die kath. Teile Deutschlands ein, in Österreich (bes. unter Joseph II.), Bayern u. die rheinischen Kurfürstentümer. Gegen Ende des 18. Jahrh. herrschte an allen kath. deutschen Universitäten in Philosophie u. Theologie die seichteste A. Alle kath. Dogmen u. Einrichtungen wurden 'vernunftgemäß' umgestaltet u. verflacht; selbst in der Liturgie u. den Gebetbüchern wurde alles eigentümlich Katholische u. Christliche beseitigt od. mit dem Zeitgeist in Einklang gebracht.
 

Quelle: Herders Konversations-Lexikon, 3. Aufl. Bd. 1, Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1902, S. 811


AUFKLÄRUNG nennt man eine Kultur- u Geistesbewegung, die durch Betätigung der Vernunft die gesamte Aufgabenwelt des Menschen meistern will. - Bewegungen dieser Art hat es mehrere gegeben. Insbesondere nennt man so die Zeit des 17. u 18. Jhts. - Ursache der A war der mit dem Mündigwerden der abendländischen Völker verbundene überschäumende Freiheitsdrang der Vernunft, ihr an den Erfolgen der Naturwissenschaft erwachtes Selbstgefühl. Die menschliche Vernunft glaubte sich imstande, die Wirklichkeit restlos begreifen zu können, sie schickte sich an, alle Lebensgebiete ohne Rücksicht auf das geschichtlich Gewordene nach ihren Einsichten umzugestalten. Daher der werbende Charakter der A-Phil. und ihre literarische Wirkung auf die Masse der Gebildeten (Popularphilosophie).

In religiöser Hinsicht war die A verursacht durch den Überdruß an den religiösen Spaltungen, denen gegenüber man in der gemeinsamen Menschenvernunft ein Prinzip der Einheit u der Versöhnung zu finden hoffte. Man suchte aus den verschiedenen Bekenntnissen das allen Gemeinsame aus u kam so zu einer bloßen Vemunft- u Naturreligion, die jede Offenbarung u übernatürliche Bindung, wie auch alle natürlidie gottgegebene Autorität ausschloß. Diese gewöhnlich in der Form des Deismus vertretene Religion sah man als die ursprüngliche u reine Religion an.
 

Quelle: Walter Brugger, Philosophisches Wörterbuch, Verlag Herder, Freiburg 1965, S.24 f.



 

AUFKLÄRUNG i.w.S. die Erklärung »dunkler«, als geheimnisvoll geltender Vorgänge, Einrichtungen u. Überlieferungen durch Rückführung auf ihren natürl., wirkl., vernünftigen Kern; i.e.S. eine geistige Strömung des 18. Jh., die ihre bes. geistesgeschichtl. Wurzeln hatte: die moderne Wiss., den Protestantismus u. den Rationalismus in der Philosophie. Die A. des 18. Jh. ergriff das ganze soz. Leben u. zog nicht nur ideell, sondern auch prakt.-polit. die letzten Konsequenzen (in der Frz. Revolution).

Die Philosophie der A. hatte eine große Breitenwirkung u. verursachte eine radikale Abkehr von aller Tradition: Die Welt ist ein der göttl. Hilfe nicht mehr bedürftiger Kosmos, ein gesetzmäßiger Zusammenhang von Atomen, Substanzen u. Kräften (Newtonismus, durch Voltaire in Frankreich eingeführt); sie ist berechenbar, eine zweckmäßige Maschine; alles ist nützl., hat einen vernünftigen Grund; alle Lebens- u. Erkenntnisgebiete werden durch analoge Gesetze beherrscht. Alles ist auf den Menschen bezogen, der wiederum die Gebote des Handelns von der »Natur« empfängt: naturgemäßes Leben u. Denken, naturgemäße Erziehung, natürl. Recht, natürl. Religion u. a. Der Gegensatz zu den überlieferten Verhältnissen brachte die Schlagworte Natur, Mensch u. Menschenrechte, Vernunft als Prinzip der Wissenschaft hervor. Die Vernunft ist Quelle aller Erkenntnis, Richtschnur menschl. Handelns u. Maßstab aller Werte. Kant definierte A. als »Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit«.

Die engl. A.s-Phil. wurde einerseits durch J. Locke u. D. Hume, andererseits durch die Utilitaristen J.St. Mill u. J. Bentham, die frz. A. durch Voltaire, J. d'Alembert, D. Diderot (Enzyklopädisten) u. E.B. de Condillac, die dt. A. durch C. Wolff, literar. bes. durch Lessing vertreten; sie wurde durch I. Kant zum Abschluß gebracht. Ihre größte Wirksamkeit hatte die A. in Frankreich, wo Montesquieu z.B. die Idee der Gewaltenteilung unter dem Dach einer konstitutionellen Monarchie vertrat, während Rousseau Volkssouveränität u. Abkehr von den Zwängen der feudalen Gesellschaft forderte (»Zurück zur Natur«).
 

Quelle: Bertelsmann Universallexikon 1995 (CD-ROM)