Er war ein Vertreter des orthodoxen Luthertums, ein Kämpfer für den Glauben und einer der bekanntesten Kritiker und Bekämpfer der Aufklärung: Johann Melchior Goeze. Der evangelische Theologe und Schriftsteller ließ keine Möglichkeit aus, den Strömungen der Zeit und seinen Gegnern mit Kampfschriften entgegenzutreten. Der Sohn des Diakons Johann Heinrich Goeze wurde am 16.10.1717 in Halberstadt geboren, besuchte in seiner Heimatstadt und nach der Versetzung seines Vaters in Aschersleben die Schule. Nach Beendigung der Schule begann Goeze sein Theologiestudium in Jena. 1736 ging er nach Halle, wo er 1738 bei dem damals sehr bekannten A.G. Baumgarten promovierte. Nach Aschersleben zurückgekehrt, vertrat der junge Theologe die folgenden Jahre mehrmals seinen schon kränklichen Vater im Predigtdienst. 1741 wurde Johann Melchior Goeze in Aschersleben zum Adjunctus ministerii gewählt, ein Jahr später ordiniert und 1744 zum Diakon an der St. Stephanskirche in Aschersleben ernannt. Die folgenden neun Jahre arbeitete er nun als Kollege seines Vaters. Während dieser Zeit erschienen erste Predigten und Betrachtungen. Zwei Jahre nach der Wahl zum Diakon heiratete er Johanna Rosina Derling, die Tochter des Bürgermeisters von Aschersleben. Nachdem Johann Melchior 1749 auf Grund der Krankheit seines Vaters den
ersten Ruf nach Magdeburg abgelehnt hatte, folgte er nun ein Jahr später
doch einem weiteren Ruf nach Magdeburg als Prediger an die Hl. Geist Kirche.
Bereits zwei Jahre später wurde er hier zum Pastor ernannt. Durch seine
Predigten und Schriften, die sich meist mit dem Tod, der Auferstehung, dem
Gericht und dem ewigen Leben befaßten, wurde der Pastor schnell weit über
die Grenzen Magdeburgs hinaus bekannt. So wurde man auch in Hamburg auf den
Prediger und Schriftsteller aufmerksam und als der dortige Hauptpastor der
Gemeinde St. Katharina 1754 starb, wählten ihn die Hamburger zu seinem
Nachfolger. Ein Ruf nach Hamburg war damals eine große Ehre, da nur die
bedeutendsten Theologen der lutherischen Kirche Deutschlands in Betracht kamen. Am 13.11.1755 begann der energische Theologe und begabte Prediger, gerade 38
Jahre alt, sein Amt als Hauptpastor in Hamburg und versammelte von Beginn an
eine große Hörerschar in der St. Katharinenkirche um sich. Die ersten
Jahre seiner Amtszeit verliefen ruhig, so daß er sich der literarischen Tätigkeit
widmen konnte. Unter anderem veröffentlichte er zwei Predigten anläßlich
des Erdbebens in Lissabon und prangerte das Überhandnehmen der Maskeraden
und den Mißbrauch während der Passionszeit an. Seine erste größere Auseinandersetzung war die gegen Basedow
1764, dem er vorwarf, seine Schriften würden den Offenbarungscharakter des
Christentums angreifen. Mit dem Sohn seines Vorgängers in Hamburg, Johann
Ludwig Schlosser, entstand eine Diskussion über die Sittlichkeit der Schaubühne.
Mit C. F. Bahrdt entbrannte ein Streit über dessen sentimentalisierende Übersetzung
des Neuen Testaments, gegen die Goeze mit seiner Schrift Beweis, daß
die Bahrdtsche Verdeutschung des Neuen Testaments keine Übersetzung,
sondern nur eine vorsätzliche Verfälschung und frevelhafte Schändung
der Worte des lebendigen Gottes sei" (1773) Stellung nahm. Je mehr sich der Pastor unter den Tonangebern seiner Zeit fremd fühlte
und es in seinem Haus einsamer wurde - seine Frau und drei seiner vier Kinder
waren schon vor Ausbruch des Streites mit Lessing gestorben - widmete er sich
seinen biblischen Studien. Die Arbeiten zur Geschichte des gedruckten
Bibeltextes und der Vergleich der verschiedenen Ausgaben der lutherischen Bibelübersetzung
haben bis heute noch Geltung. Das notwendige Material zu diesen Untersuchungen
entnahm er seiner Bibelsammlung, die selbst in unserem Jahrhundert noch zu den
bedeutendsten gehört, die ein Privatmann je besessen hat.
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