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Der Kinderkreuzzug

Die Kirche ruft auch nach dem Kreuzzug gegen Byzanz weiter zur Befreiung der heiligen Stätten in Jerusalem auf. Der Appell richtet sich nicht an Kaiser und König, sondern an das Volk. Die Folgen dieses Aufrufes sind verheerend. Dem Ruf des Kreuzes folgen vorallem Jugendliche. Ein Chronist schreibt dazu:

"1212. Zur selben Zeit wurde eine alberne Heerfahrt unternommen von Kindern und törichten Leuten, die ohne einige Überlegung das Zeichen des Kreuzes annahmen, mehr aus Vorwitz als ihres Heiles wegen. Es zogen Kinder beiderlei Geschlechts, Knaben und Mädchen, nicht nur Kleinere, sondern auch Erwachsene, Verheiratete und Jungfrauen mit leerem Geldsack sowohl durch ganz Deutschland als auch durch Teile von Gallien und Burgund. Und von Eltern und Freunden ließen sie sich in keiner Weise abhalten, mit allem Eifer diese Heerfahrt zu machen, so sehr, daß sie hier und dort in Dörfern und auf dem Felde mit Zurücklassung ihres Arbeitsgerätes und dessen, was sie gerade unter den Händen hatten, den Vorüberziehenden sich anschlossen. Und da wir so Ungewöhnlichem oft gerne unsern Glauben schenken, so meinten viele, dies geschehe nicht aus Leichtsinn, sondern auf göttliche Eingebung und aus einer gewissen Frömmigkeit, weshalb sie ihnen auch auf eigene Kosten Lebensmittel und was sie nötig hatten, darreichten. Den Geistlichen aber und andern vernünftigeren Sinnes, welche widersprachen und diesen Zug für eitel und unnütz erklärten, leisteten die Laien heftigen Widerstand; sie behaupteten daher, die Geistlichen seien ungläubig und widersetzten sich diesem Unternehmen mehr aus Neid und Geiz als um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen. Da aber kein Unternehmen, das unvernünftiger- rund unüberlegterweise begonnen wird, gut endet, so verbreitete und zerstreute sich diese törichte Menge, in Italien angekommen, in größere und kleinere Städte, und viele von ihnen wurden von den Bewohnern des Landes als Knechte und Mägde zurückbehalten. Andere sollen ans Meer gekommen sein, wo sie von den Schiffern und Seeleuten getäuscht und nach entlegenen Weltgegenden übergefahren wurden. Die übrigen gelangten nach Rom; aber als sie sahen, daß sie ohne obrigkeitliche Unterstützung keinen Erfolg haben konnten, erkannten sie endlich ihre Bemühungen als albern und vergeblich, wurden aber vom Kreuzgelübde durchaus nicht losgesprochen, mit Ausnahme der Knaben, welche die Jahre der Einsicht noch nicht erreicht hatten, und jener, die das Alter niederbeugte. Also getäuscht und verwirrt, traten sie den Rückweg an, und die, welche vorher in Scharen und Streithaufen und immer unter Absingung des Celeuma1 (Gesang, den die Seeleute bei günstiger Fahrt anstimmen) die Lande zu durchziehen pflegten, kehrten jetzt einzeln und im stillen, barfuß und hungernd zurück und wurden allen zum Gelächter."