Mathe-Genies
Fritz Sitte und Marvin Fischer haben eine Vorliebe für Tangenten
BORGHORST Durchschnittliche Mathematiker sind hervorragend im Rechnen. Mathe-Genies hingegen beschäftigen sich mit Logik, Herleitungen, geometrischen Beweisen. Fritz Sitte und Marvin Fischer vom Gymnasium Borghorst sind zwei dieser Sorte. Sie gehören zu den besten Mathe-Schlauköpfen in NRW.
„Eigentlich bin ich eher faul“, sagt Marvin. Er grinst schelmisch dabei. Auch Fritz brüstet sich nicht damit, besonders fleißig zu sein. Hobbys und Sport sind den 13-Jährigen wichtiger. „Ich mach’ lieber was anderes als Mathe“, sagt Fritz. „Schwimmen, Wasserball, Tennis und Mountainbikefahren.“ Immerhin: Auf seinem Pullover prangt eine Zahl, die „10“.
Die beiden Achtklässler haben bei der Mathematik-Olympiade auf Kreisebene den dritten und vierten Platz belegt. Am Samstag waren sie mit 14 anderen aus dem Kreisgebiet beim Landesentscheid. 17.000 Schüler haben es in die Runde versucht, etwa 350 durften teilnehmen. Die Ergebnisse hat die Jury noch nicht ermittelt. Kopfrechnen? „Kann ich nicht so gut“, sagt Marvin. „Aber bei so einem Wettbewerb ist das auch nicht so wichtig. Da muss man eher beweisen und herleiten und so.“
Aufgabe 1 war "Pillepalle"
Vier Aufgaben mussten sie lösen. „Nummer drei war schwer“, sagt Marvin, und Fritz stimmt zu. Die konnten sie nicht lösen. Die erste dagegen war „Pillepalle“. Nicht der Rede wert. Die zweite war schon „interessanter“ – meint für Laien: kaum zu lösen. Marvin spricht von Tangenten und Halbkreisen.
Unter bestimmten Voraussetzungen soll ein Halbkreis bei einem Fünfeck mit gleichlangen Seiten und gleichgroßen Winkeln eine Seite halbieren, von der eine Strecke wiederum zur Seite eines zweiten Fünfecks wird mit den gleichen Winkel- und Seitenverhältnissen – so oder ähnlich. Marvin jedenfalls zeichnet die Aufgabenstellung auf wie andere einen Einkaufszettel schreiben.
Taschenrechner verboten
„Blöd war nur, dass wir keinen Taschenrechner benutzen durften“, findet Fritz. „Aber eigentlich brauchten wir den ja auch nicht“, meint Marvin. Schließlich ging es ja mehr um Beweise. Andererseits, sagt Fritz, „hätten wir Nebenrechnungen schneller machen können“. Bis zu den Nebenrechnungen wären ihre Klassenkameraden vielleicht gar nicht erst gekommen.
Marvins gnädiges Urteil: „Mit etwas mehr Zeit wären sie wahrscheinlich schon zu einem Ansatz gekommen.“ Diplomatisch ausdrücken können sie sich auch. Sieben Wochen haben sie mindestens einmal pro Woche extra für die Landesrunde trainiert. Trotzdem: Nur Trainieren bringt nichts. „Man braucht schon ein bisschen Talent“, sagt Fritz bescheiden. Nicht nur in Mathe. Denn an Mathematik-Fördergruppen durften die Schüler nur teilnehmen, wenn sie auch in anderen Schulfächern gut genug sind.
Schon 2009 bei Mathematik-Olympiade abgeräumt
Auf die können sich Fritz und Marvin nun erst einmal wieder mehr konzentrieren, wenn sie wollen. Wenn sie gut genug sind, haben sie sich für die Bundesrunde qualifiziert. Aber selbst wenn nicht: 2011 wollen sie wieder mitrechnen. Schon 2009 haben sie bei der Mathematik-Olympiade abgeräumt. Siegesgewiss also für 2011? „Auf keinen Fall“, sagt Fritz. Da müssen sie nämlich in einer höheren Altersklasse antreten. „Das wird um einiges anspruchsvoller.“
Marvin hat für seine Urkunden von solchen Wettbewerben eine Extra-Schublade, Fritz sammelt sie in einem Ordner. In Glas an die Wand kommt eine Urkunde erst, „wenn ich Erster oder Zweiter in der Landesrunde werde“, sagt Fritz. Vielleicht macht er das ja schon in wenigen Tagen.
Schlagwörter:
Gymbo, Mathematik, Matheolympiade
06. März 2010 - 19:59 Uhr, von André Wenning








